Symposium zu Ehren von Károly Csúri anlässlich seines 70. Geburtstages

Autor: Christiana Gules

Zeitung: 2016/1

Rubrik: Germanistik

Am 5. Mai 2016 feierte das Institut für Germanistik der Universität Szeged den 70. Geburtstag seines Professors Dr. Károly Csúri. Aus diesem Anlass trafen Germanisten aus Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn zusammen und es wurden Vorträge zum Thema „Poetische Konstruktionen“ gehalten. Die Veranstaltung fand an einem sonnigen Mai-Tag in dem Gebäude der Szegeder Kommission der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Moderator war Dr. habil. Attila Bombitz, der Hauptorganisator der Feier.

Das Symposium eröffnete der Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Szeged, Prof. Dr. Mihály Szajbély. Er erinnerte an die Anfänge seiner mittlerweile 40jährigen Freundschaft mit Herrn Csúri, indem er auf sein erstes Treffen mit dem Jubilar hinwies. Herr Szajbély lernte den jungen, ambitionierten Germanisten als Student in einem Zug kennen und war von dessen rebellischen Ansichten im Bereich Literaturwissenschaft begeistert. Károly Csúri erarbeitete zusammen mit Árpád Bernáth und Zoltán Kanyó jene grundlegenden Gedanken der literaturtheoretischen Methode, die auf strukturalistischer Basis eine neue Annäherung an den literarischen Text ermöglicht, und später als Theorie der möglichen Welten bzw. auch als Szegeder Schule in die internationale (und vor allem die germanistische) Literaturwissenschaft Eingang fand. Die fundierte neue Methode war in ihrer Beschaffenheit der gängigen marxistischen Literaturauffassung gegenüber äußerst kritisch und hatte dementsprechend einen steinigen Weg zu begehen.

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Auch die Direktorin des Österreichischen Kulturforums Budapest, Dr. Susanne Bachfischer begrüßte die Anwesenden herzlichst. In ihrer Rede sprach sie die diplomatischen Qualitäten des Professors an, indem sie auf seine Tätigkeit als Kulturdiplomat in Wien hinwies. Zwischen 1999 und 2004 war Herr Csúri nämlich Direktor des Collegium Hungaricum und Ratgeber des ungarischen Botschafters in Wien. Für seine Verdienste um die österreichisch-ungarischen Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsbeziehungen wurde Herrn Csúri im Jahre 2012 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen.

Die abschließenden Begrüßungsworte sprach Dr. habil. Endre Hárs, Leiter des Instituts für Germanistik der Universität Szeged. Herr Hárs hob Herrn Csúris Überzeugung und Sicherheit hervor, die gemeinsam mit seinem Charisma an der Szegeder Germanistik eine einzigartige Stimmung freundschaftlicher Kollegialität ermöglichten. Zum Schluss sprach Herr Hárs dem Jubilar herzliche Glückwunsche und genauso viel Erfolg in seiner weiteren Laufbahn als Professor Emeritus aus.

Nach diesen feierlichen Ansprachen begann das Symposium mit sieben Vorträgen von renommierten Kollegen aus dem In- und Ausland.

Professor Dr. Árpád Bernáth, Kollege und Freund von Herrn Csúri und wichtiger Mitgründer der Szegeder Schule, konnte leider aus familiären Gründen nicht anwesend sein. Sein Vortrag Literarische Kunstwerke als „mögliche Welten“ – unter dem Aspekt der „Szegeder Schule“ entfiel jedoch nicht. Für Herrn Bernáth sprang der Organisator und Gastgeber der Feierlichkeit, Attila Bombitz, ein.

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Der nächste Vortragende, Prof. Dr. Hans-Georg Kemper aus Tübingen, wies auf die Tatsache hin, dass es keinen produktiveren Georg Trakl-Forscher gäbe als Herrn Csúri. Darüber hinaus lobte er die außergewöhnliche Fähigkeit des Professors, als Nicht-Muttersprachlicher die unterschiedlichen und feinsten sprachlichen Nuancierungen zu entdecken. In seinem Vortrag behandelte Herr Kemper das Thema “Was ist der Mensch?“ Lyrische Antworten von Catherina Regina von Greiffenberg, Johann Wolfgang Goethe und Georg Trakl“.

Prof. Dr. Joachim Jacob aus Gießen hielt einen Vortrag, der sich einem früheren Thema von Herrn Csúri anschließt, und schilderte die außergewöhnliche Beziehung zwischen Hölderlin und Trakl. Während seines Referats Brot und Wein – Hölderlin und Trakl bereitete Herr Jacob den Anwesenden eine belustigende Überraschung, als er tatsächlich ein Laib Brot und eine Flasche Wein auf das Rednerpult stellte.

Weitere Vortragende waren Prof. Dr. Wolfgang Wiesmüller aus Innsbruck mit dem Thema der Autofiktion und Ich-Konstruktionen in den Briefen Adalbert Stifters an Gustav Heckenast. Danach folgten einstige Schülerinnen und Schüler von Herrn Csúri, die sich freundschaftlich an ihren Lehrer und Kollegen erinnert haben. Frau Prof. Dr. Magdolna Orosz aus Budapest sprach in ihrem Vortrag Erzählen in historischer Verkleidung über Arthur Schnitzlers Die Frau des Richters. Danach folgte das Referat von Herrn Prof Dr. Zoltán Szendi aus Pécs: Die visuelle Erfahrung. Zu den Frauenporträts Rilkes. Den Schluss bildete der Vortrag von Prof. Dr. Kurt Bartsch aus Graz Vom „categorischen Imperativ des Geldes“ (Nestroy) im Werk Ödön von Horváths.

Abschließend präsentierte Attila Bombitz als Organisator des Tages die zwei Bücher von Herrn Csúri, die gerade neu erschienen sind. Einerseits wurde das Buch Konstruktionsprinzipien von Georg Trakls lyrischen Textwelten1 vorgestellt, die Herr Bombitz als das Lebenswerk des Professors bezeichnet hat. Andererseits wurde eine Auswahl der wichtigsten Aufsätze und Studien aus Herrn Csúris wissenschaftlichem Oeuvre vorgestellt. Die Sammlung Poetische Konstruktionen. Studien zu Werken der klassischen Moderne2 wurde von Herrn Bombitz herausgegeben und mit einem Vorwort von Frau Magdolna Orosz publiziert.

Im Rahmen des Ehren-Symposiums konnte somit das besondere Arbeitsfeld des Professors ins Schlaglicht gerückt und die theoretischen Ansätze, Methoden und Themen, die Herrn Csúris Interessengebiet ausmachen, beleuchtet werden. Der Jubilar bedankte sich herzlichst für „die fantastische Überraschung“.

GeMa wünscht Herrn Professor Csúri im Namen aller Studierenden gute Gesundheit und weiterhin viel Erfolg!

/Christiana Gules/

1 Csúri, Károly: Konstruktionsprinzipien von Georg Trakls lyrischen Textwelten. Bielefeld: Aisthesis 2016.

2 Csúri, Károly: Poetische Konstruktionen. Studien zu Werken der klassischen Moderne. Wien: Praesens 2016