Wisdom und Iron Maidnem in Deutschland

Autor: Samantha Kokolovec

Zeitung: 2014/2

Rubriken: Freizeit, Kultur

Interview mit NG und Krisztián Balogh

Ausbrechen, Erfolg haben, und den Deutschen zeigen, dass sie es draufhaben. Das haben Wisdom und Iron Maidnem mehrmals bewiesen. Aber wer sind sie eigentlich? Wisdom ist eine der bekanntesten ungarischen Power-Metal-Bands. Ihre Lieder beziehen sich auf ein Zitat von berühmten Denkern. Das Leben der Band wird von der Lebensgeschichte des weisen alten Mannes – Wiseman – begleitet. Ähnlich begleitet Eddie die Band Iron Maiden. Diese weltbekannte britische Band wird in Ungarn von sogar drei Tribute-Bands gefeiert. Eine davon ist Iron Maidnem. Die Jungs tun alles dafür, den Fans das Original so gut wie möglich wiederzugeben. GeMa hatte die Ehre, mit dem Sänger von Wisdom (NG ist sein Künstlername) und mit den Schlagzeuger von Iron Maidnem Krisztián Balogh ein Interview zu führen.

Es gibt viele Bands, die nicht nach Ausland ausbrechen können. Wie konntet ihr es erreichen, so viele Konzerte in Deutschland zu geben? Wie war der Weg, der dazu geführt hat?

NG: Leider herrschen in Ungarn sehr schlechte Umstände auf dem Mainstream-Musik-Markt. Deswegen haben Bands in unserem Style es nicht leicht. Allerdings denke ich, wenn jemand die Musik mit nötiger Hingebung macht, dann gibt er auf keinen Fall eine Flickarbeit aus der Hand. Er bemüht sich um das Maximum, sowohl inhaltlich, als auch formal. So kann man ohne Hindernisse die Band berühmter machen oder erreichen, dass größere ausländische Plattenfirmen aufmerksam werden.

Bei uns war es auch der Fall. Wir versuchten alles in der Musikbranche. Demzufolge verbreitete sich unser Ruf, und darauf wurden die Plattenherausgeber im Ausland aufmerksam. Drei-vier Monate nach der Erscheinung des ersten Albums in Ungarn, bei dem ich mitgearbeitet habe, bekamen wir von den Plattenfirmen Angebote, international herauszukommen. Es war unfassbar, dass wir sogar zwischen den Plattenausgebern wählen konnten. Wir unterschrieben einen Vertrag mit Noisearts Records, bzw. mit Rock The Nation Booking Büro (das ist eine auf Metal und Hard Rock spezialisierte Konzert- und Künstleragentur mit Sitz in Salzburg). Die Voraussetzung des Vertrags war, dass wir gleich auf eine größere Tour gehen mussten, was einen gemeinsamen Kreis mit Sabaton und Eluveitie bedeutete. Danach ergaben sich die Dinge wie von sich selbst, und zum Glück ist es heute so, dass wenn wir nach Deutschland fahren, dann ist es als würden wir nach Hause fahren.

NG (alias Gábor Nagy)

NG (alias Gábor Nagy)

KB: 2003 und 2005 hat Iron Maidnem schon  mal eine Einladung nach Deutschland bekommen, und zwar zu zwei Motorradfestivals. Da es sich nicht über eine authentische Band mit eigenen Songs handelt, stattdessen aber eine Tribute-Band ist, die auf dem Trampelpfad des Mutterbands wandert (ha-ha), so ist es offensichtlich leichter an einen internationalen Ruf zu kommen, als sagen wir mal im Falle einer frischen Band, die eigene Songs spielt. Selbstverständlich war dieser sogenannte Trampelpfad keineswegs glatt und leicht begehbar, weil wir seit 1996 sehr viel arbeiten mussten, damit unser Name überhaupt in das Allgemeinwissen gerät. Während der Jahre wurden der Maiden-Klang, die Erscheinung und die Aufführungsart geschliffener. Nach der anstrengender Arbeit erreichte unser Name Tony Califanon, der sich innerhalb seiner Tribute-Organisation Rock Imitations mit deutschen Tribute-Bands beschäftigt. Seit dem sind wir bei diesen Verein, wo sich aus der geschäftlichen Kontakt bereits eine freundschaftliche Beziehung ausgebildet hatte. Im Jahre 2006 lud er uns nach Deutschland ein und die Konzerte kamen von da an hintereinander. So konnten und können wir immer noch auf diesem Pfad trampeln. /er lächelt/

Wie sehr seid ihr deiner Meinung nach mit Wisdom/Iron Maidnem berühmt in Deutschland, und woran lässt sich das erkennen?

NG: Dass wir berühmt sind, ist meiner Meinung nach stark übertrieben. Wir spielen im starken Mittelfeld, aus dem noch alles werden kann. Glücklicherweise haben wir mit Wisdom schon an sehr vielen Orten in Deutschland mit größerem Erfolg gespielt. Viele haben uns gesehen und gehört und wissen nun Bescheid über uns. Als Gastsänger kann ich über Iron Maidnem nicht viel sagen. Das überlasse Krisztián Balogh. Soviel kann ich schon verraten, dass die Konzerte, an denen ich als Gastsänger teilgenommen habe, sehr gut gelungen sind. Ich meine damit, dass viele gekommen sind und es auch genossen haben. Aber immerhin gilt der Applaus im Falle einer Tribute-Band eher der Mutterband.

Bei Wisdom lässt sich der Erfolg meist daran erkennen, dass die Menschen uns von Konzert zu Konzert folgen, und ich kann sogar in vielen, weit voneinander liegenden Städten bekannte Gesichter erkennen. Außerdem kann ich eine Menge von eigenen Band-T-Shirts an den Leuten sehen, viele kommen, um Autogramme zu bekommen oder ein gemeinsames Photo zu machen. Engere Freundschaften knüpften sich auch – am Anfang nur mit den Fans.

KB: Zum Glück wurde unser Name bekannt, so können wir jährlich neben den regelmäßigen Klubkonzerten auch auf 2-3 größeren Festivals auftreten. Von den Open-Air- bis zu Arena-Konzerten sind wir dabei. Meiner Meinung nach äußert sich unsere „Berühmtheit“ darin, dass wir nach dem einen oder anderen besser gelungenen Auftritt immer neue deutsche oder eben nicht deutsche Aufträge bekommen.

Im Norden werden die Vorbands mit großer Freude begrüßt, dagegen kommen die Menschen in Ungarn eher zu der Haupt-Band. Welche Erfahrungen hast du damit?

NG: Fast in allen Fällen waren die Plätze, wo wir mit Wisdom vor Sabaton, Powerwolf und Majesty spielten, voll. In Deutschland interessieren sich die Menschen auch für die Vorbands. Die Deutschen sind ein weitaus aufnahmefähigeres Volk, und weil sie Produktionen erwarten, möchten sie diese auch sehen. Es war auch unglaublich da! Wie es schon in deiner Frage suggeriert wird, ist die Lage zu Hause ein bisschen anders, obwohl wir Ungarn auch in diesem Bereich verbesserte Tendenzen zeigen. /er lächelt/  In Wahrheit ist es vielleicht dem zu verdanken, dass uns unser Ruf überholt hat, und dass wir an großen Produktionen teilgenommen haben. Ich weiß nicht, ob sich die Situation auch so entfaltet hätte, wenn wir Wisdom in Deutschland mit einer kleinen Tour gestartet hätten. /er lächelt/  Zum Glück entwickelte sich alles gut.

KB: Ich würde diese Sache nicht gerade auf den Norden zuspitzen … Meiner Meinung nach hängt es davon ab, wie niveauvoll das Konzert oder das Angebot ist. Als wir bei Sziget [seit Jahrzehnten bestehendes berühmtes ungarisches Musikfestival auf einer Insel bei Budapest; – Anm. d. Red.] gespielt haben, wurden wir auf 02:00 Uhr ausgeschrieben, und deswegen haben wir gedacht, dass niemand da sein wird. Erstaunlicherweise war das Zelt, das 5000 Menschen aufnehmen kann, voll.

Wo habt ihr mit Wisdom/Iron Maidnem größeres Publikum, und was ist der Grund dafür?

NG: Ein wirklich großes Publikum haben wir zu Hause nur in Budapest, weil wir im Vergleich zu Deutschland natürlich über ein weitaus kleineres Land sprechen. Deshalb können so viele Leute in einer Provinzstadt nicht zusammenkommen. Meiner Meinung nach würde sich unsere Publikumszahl zu Hause wahrscheinlich erhöhen, wenn die zwei Länder genau so groß wären, aber wenn wir es proportional betrachten, dann ergibt sich die gleiche Situation. /er lächelt/

KB: Ich kann wiederholt sagen, dass das ganze von der Promotion und vom Zielpublikum abhängt… es gibt unzählige Faktoren. Aber zweifelsohne (und hier möchte ich nicht die Lust der Ungarn auf Konzerte zu gehen charakterisieren), sind die Deutschen imstande, sogar 150-200 Km zu fahren, damit sie zu den Klubkonzerten (!!!) kommen. Von Ungarn kann ich auch ein Gegenbeispiel sagen, nämlich gibt es einige Fans, die an fast [es ist ein Wortspiel mit dem Bandnamen: fast heißt auf Ungarisch majdnem; Anm. d. Red.] allen unserer Konzerte im Land teilnehmen, egal wo wir spielen!

In welchen von den beiden Ländern bedanken die Fans euer Auftritt mehr, und worin zeigt sich das?

NG: Es ist unterschiedlich, aber so viel kann ich schon sagen, dass das deutsche ein extrem dankbares Publikum ist, deswegen geht aller Respekt an sie. Es ist ein gutes Gefühl, für sie zu spielen. Ich würde die beiden Seiten nicht vergleichen, weil die Fans beider Länder grundsätzlich dankbar sind, wofür wir auch dankbar sind.

KB:  Diese Frage löst bei mir gemischte Gefühle aus, denn wo immer wir auch spielen, können uns positive und auch negative Erlebnisse erwarten. Die Leute, die die Arbeit von Maiden tiefgreifender kennen, spielen Luftgitarre und sind aktiver auch bei den Songs Alexander The Great oder bei den Flash Of The Blade (weniger bekannt). Aber die, die nur für Fear Of The Dark (einer der bekanntesten Songs) kommen, die können mit den Kuriositäten nichts anfangen. Ich kann also eine sehr gemischte Antwort auf diese Frage geben. Daraus sieht man, dass wir danach streben, das Interesse des Publikums in den Vordergrund zu stellen. Es gibt also Leute die von den Seltenheiten in Ohnmacht fallen, und es gibt auch andere, die auf unsere Schultern klopfen, weil sie so gut auf Fear Of The Dark getobt haben. /er lächelt/

Balogh Krisztián

Krisztián Balogh

Ihr hattet schon sehr viele Konzerte in Deutschland, wodurch ihr sehr vieles schon erlebt habt. Welches ist für euch das unvergesslichste Erlebnis?

NG: Beginnen wir mit meinen ersten Konzert in Deutschland: Hannover. Als unser Intro anfing, hatte ich ständig Schüttelfrost (wohlgemerkt: im positiven Sinne). Das Publikum fing an „hey-hey” zu schreien, und dann hörte ich, wie sie anfingen nacheinander Wisdom zu schreien, obwohl wir eine ganz unbekannte Band waren, die vorher nie im Leben in Deutschland gespielt hat, plus unser Album war gerade paar Tage vorher dort erschienen. Ich dachte, dass unser erstes Konzert ein schlimmer Reinfall wird, aber ich habe einen solchen Schlag in meinen Magen bekommen, dass ich aufwachen musste… das war Realität. Es war so überwältigend. Ich denke, ein besseres Erlebnis könnte ich kaum erwähnen. /er lächelt/

KB: Was mir zuerst auf diese Frage einfiel, ist mein 18-ter Geburtstag. Wir spielten dann in Frankfurt und gaben ein unvergessliches Konzert. Das Timing war perfekt. Am nächsten Tag haben mich meine Freunde mit Schlappschuhen gehauen, damit ich aufwache. Dieses Erlebnis bringt mich oft zum Lachen.

Unterscheidet sich die Organisation der Konzerte in Ungarn und in Deutschland?

KB: Meiner Meinung nach könnten wir darüber nur dann eine Konsequenz ziehen, wenn wir auch eine deutsche Tribute-Band befragen würden, die in Ungarn eine Tour macht. Wir könnten unsere Erfahrungen vergleichen. /er lächelt/

NG: Diese Sache ist ganz anders, seitdem wir mit einer Profi-Agentur arbeiten. Ich kann darüber eigentlich nicht viel sagen. Es ist sicher, dass es nirgendwo leicht ist, ein gutes Konzert zu organisieren. In Deutschland gibt es mehrere Schauplätze, so gibt es auch mehrere Möglichkeiten. Vielleicht ist nur das der Unterschied.

Und hierbei bedanke ich mich für das Interview, und wünsche allen einen schönen Tag. Ich hoffe, dass wir uns auf den nächsten Konzert treffen.

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Die Gründung der Bands:

Iron Maidnem

Iron Maidnem

Iron Maidnem: Miska (Mihály Bevíz) und Töfi  (Zoltán Cserfalvi) kamen im Jahr 1996 auf die Idee, eine Tribute-Band zu gründen, die nur Maiden-Songs spielen würde, und zwar so nahe am Original wie nur möglich. Der erste Plan der Setlist enthielt 30 Songs, von den fünf klassischen Alben von Iron Maiden. Diese 30 Songs erschienen damals als ein weit entfernter Traum, weil es sich inzwischen herausstellte, dass es gar nicht so einfach ist, diese Lieder originalgetreu wiederzugeben. Nach einiger Zeit schloss sich Béla Boros der Band als Bassist an. 2001 kam Áron Hidvégi am Synthesirer, da immer mehr solche Songs gespielt wurden, die ohne dieses Instrument kaum vorstellbar waren. Viele wissen es nicht, aber Iron Maiden hat seit 1986 tatsächlich einen Synthesizer, der hinter der Bühnendekoration spielt. Der Sänger wurde Zoli Kiss. Bei Iron Maidnem ist es ein bisschen schwierig zu entscheiden, wer gerade der Schlagzeuger ist. Seit 2008 ist auf diesem Posten Krisztián Balogh. 2012 konnten die Fans einen dritten Gitarristen auf der Bühne sehen, nämlich Ádám Makra.

Wisdom

Wisdom

Wisdom: Schon zu der Zeit des Millenniums spielten der Bassist Máté Molnár und der Gitarrist Gábor Kovács mit dem Gedanken, eine Heavy/Power-Metalband zu gründen. Sie verabredeten sich, um einige Covers (Gamma Ray, Judas Priest, Helloween) zu machen. Sie skizzierten auch das Ziel der neuen Band: In dieser musikalischen Gattung „kann man nichts Neues schöpfen, aber was Gutes schon“. Seitdem ist dies auch die Ars Poetica der Band. 2008 schloss sich Balázs Ágota (Schlagzeuger) an. Das nächste neue Mitglied wurde Gábor Nagy (der Sänger, Künstlername: NG), der seit 2010 in Wisdom singt. Nach NG kam Máté Bodor (Gitarrist). Dieses Jahr verließ leider Balázs Ágota die Band, und seitdem sitzt Péter Kern (ein ehemaliger Schlagzeuger von Wisdom) auf seinem Platz.

Diskographie:

2004: Wisdom EP

2006: Words of Wisdom

2007: At The Gates EP

2011: Judas

2013: Marching For Liberty

Bandhomepages:

–         http://www.wisdom.hu/band.php

–         http://www.ironmaidnem.hu/

–         http://www.sabaton.net/

–         http://eluveitie.ch/

–         http://www.powerwolf.net/

–         http://www.majesty-metal.de/

 

/Samantha Kokolovec/

Quellen der Bilder:

Fotos über Krisztián Balogh (auch auf dem Beitragsbild) und Iron Maidnem von: Tőrösné Kolozsy Erika

Fotos über NG von: Savafan

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