„Hot. Cool. Yours“

Autor: Sára Jankovszki

Zeitung: 2014/1

Rubrik: Freizeit

Die XXII. Olympischen Winterspiele fanden vom 7. bis 23. Februar 2014 in Sotschi an der „russischen Riviera“ am Schwarzen Meer in Russland statt. Diese Olympiade war in erster Linie dafür berühmt, dass es die teuerste Olympiade aller Zeiten war. Aber sie war nicht nur die teuerste, sondern auch die am meisten kritisierte. Sie war teurer als die letzten fünf Winterspiele zusammen. Deutlich mehr als 30 Milliarden Euro wurden für das Event bezahlt. Wladimir Putin sah vor, die Olympiade als Symbol der Kraft und Größe Russlands zu inszenieren.

Das offizielle Motto der Spiele lautete „Hot. Cool. Yours“. In der Auslegung des Leiters des Organisationskomitees steht dies für die Leidenschaft des Sports, für die Jahreszeit sowie dafür, dass die Olympischen Spiele für Jedermann gedacht sind. Das Ziel der Olympischen Winterspiele war, wie gewohnt, zum Aufbau einer friedlichen und besseren Welt beizutragen indem Menschen im Geiste von Freundschaft, Solidarität und „Fair Play” ohne Diskriminierung zusammen spielen. Und wieder einmal musste man feststellen, wie weit Wunsch und Wirklichkeit voneinander entfernt sein können…

Schon zu Beginn der Winterolympiade gab es viele Unannehmlichkeiten verschiedenster Natur und verschiedensten Ausmaßes. Chaotische Zustände herrschten vor den Spielen. Bürger wurden im Vorfeld zwangsumgesiedelt, Arbeiter ausgebeutet, Oppositionelle verfolgt, die Natur wurde zerstört. Und das alles dafür, dass ein paar hochbegabte Sportler um die Wette Ski und Schlitten fahren.

A view from a helicopter shows Olympic venues under construction for the 2014 Winter Olympic games in Sochi

Viele Olympia-Gäste berichteten u.a. auf Twitter von unliebsamen Überraschungen in halbfertigen Hotels: „Erst lief das Wasser gar nicht, dann war es gelb, und mit der Heizung stimmte auch was nicht”.1 Es gab Proteste und Kritik, dass Russland im Jahre 2013 ein Gesetz erließ, das die Darstellung von Homosexualität in der Öffentlichkeit vor Minderjährigen mit Geldstrafen belegt. Schon im August konnte man darüber lesen, dass ein Boykott seitens Deutschlands nicht ausgeschlossen sei. Bundespräsident Joachim Gauck gab im Dezember bekannt, dass er den Olympischen Winterspielen in Sotschi fernbleiben werde. Er wollte mit seinem Boykott gegen Menschenrechtsverletzungen protestieren. Aber Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich gegen einen Olympia-Boykott aus. Dem Boykott wiederum folgten der Bundeskanzler Österreichs Werner Faymann, US-Präsident Barack Obama, die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite, der kanadische Premierminister Stephen Harper und auch der britische Premierminister David Cameron. So protestierten sie alle gegen die Politik der russischen Führung.2

Aber in diesem Artikel soll es nicht nur um Politik gehen, werfen wir doch auch mal auf die Ergebnisse der deutschen Sportler und Sportlerinnen einen Blick. Die 153 deutschen Athletinnen und Athleten sammelten 19 Medaillen: 8 goldene, 6 silberne und 5 bronzene. Im Vergleich zu den vorherigen Olympiaden brachte Sotschi für die deutsche Mannschaft das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Die Mannschaft landete auf Rang sechs in der Medaillenwertung.3 Wenn man bedenkt, dass der Deutsche Olympische Sportbund ein ähnliches Ergebnis wie in Vancouver 2010 (30 Medaillen) erwartete, erscheint das Endresultat recht enttäuschend. Auch im Sport gehen eben nicht immer alle Träume in Erfüllung.

Mode-fuer-Olympia-2014

Im Einzelnen: Die deutschen Rodler waren mit vier Goldmedaillen die erfolgreichste Truppe. Der 24-jährige Rennrodler Felix Loch läutete den Medaillenregen ein. Tobias Wendl und Tobias Arlt siegten im Doppelsitzer, Natalie Gosenberger und die Team-Staffel rodelten auch zu Gold.4 Die größte Enttäuschung hingegen gab es beim Biathlon, wo es zwar zweimal Silber bei den Männern gab, aber auch einen Dopingfall. Evi Sachenbacher-Stehle war die erste positiv getestete Sportlerin in Sotschi. Die ehemalige Ski-Langläuferin wechselte erst vor zwei Jahren zum Biathlon. In Sotschi lief sie als Vierte. Später bestätigte sie ihren positiven Dopingtest. In einem Statement schrieb sie „vom schlimmsten Albtraum, den man sich vorstellen kann“.5

Obwohl die deutsche Delegation feierlich und mit großer Freude am Münchner Flughafen empfangen wurde, waren die Heimkehrer enttäuscht. Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte den Medaillengewinnern und dankte allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für ihr Engagement. Er würdigte die Leistungen der Athleten, die sie vor und während der Olympischen Spiele zeigten.

Bei der Winterolympiade in Sotschi, wie bei allen anderen Olympischen Spielen, wurden drei Werte in den Mittelpunkt gestellt. Diese sind Höchstleistung, Freundschaft und Respekt. Höchstleistung bedeutet: die Sportler versuchen ihr Bestes zu geben, streben mit Entschlossenheit nach ihren eigenen Zielen. Auch Freundschaft kommt bei aller Konkurrenz eine zentrale Bedeutung zu, denn für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen gibt es eine wichtige gemeinsame, einander verbindende Basis, nämlich die Liebe zum Sport. Die Olympischen Spiele bieten allen Menschen einen angemessenen Rahmen, um politische, geschlechtliche oder religiöse Unterschiede zu überwinden, denn alles was zählt, ist die messbare Leistung. Respekt umfasst all die ethischen Grundsätze, die das gesamte Programm während der Spiele leiten sollen. Respekt sich selbst, den anderen sowie den Regeln gegenüber.

Quellen:

http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=112707

http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Winterspiele_2014

http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-spiele/winterspiele/sotschi-2014/news/detail/news/michael_vesper_wir_haben_unsere_ziele_nicht_erreicht/

http://www.focus.de/sport/olympia-2014/deutsche-festspiele-in-sotschi-geisenberger-rodelt-zu-gold-huefner-holt-silber_id_3609702.html

http://www.rp-online.de/sport/olympia-winter/evi-sachenbacher-stehle-spricht-vom-schlimmsten-albtraum-aid-1.4054734

/Sára Jankovszki/

1

 http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=112707

2

 http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Winterspiele_2014

3

 http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-spiele/winterspiele/sotschi-2014/news/detail/news/michael_vesper_wir_haben_unsere_ziele_nicht_erreicht/

4

 http://www.focus.de/sport/olympia-2014/deutsche-festspiele-in-sotschi-geisenberger-rodelt-zu-gold-huefner-holt-silber_id_3609702.html

5

 http://www.rp-online.de/sport/olympia-winter/evi-sachenbacher-stehle-spricht-vom-schlimmsten-albtraum-aid-1.4054734

Quelle des Beitragsbildes: www.diepresse.com

Bilderquellen: www.spiegel.de; www.welt.de;