Alter Posten, neues Konzept

Autor: Tünde Pető

Zeitung: 2013/2

Rubriken: Germanistik, Interviews, Studium

Interview mit Institutsleiter Dr. habil. Endre Hárs

Seit Juli dieses Jahres hat sich einiges am Institut für Germanistik geändert. Eine dieser Veränderungen war der Wechsel des Institutsleiters. Herr Dr. habil. Endre Hárs lernt zurzeit alle Tücken dieses Postens kennen und trotz seines vollen Terminkalenders hatte ich die Möglichkeit, ihm ein paar Fragen zu stellen.

MGU_7009 (1) /Foto: Botond Nagy/

Herr Hárs, wie wird man zum Institutsleiter gewählt? Muss man sich bewerben oder geht es nach Leistung?

Man bewirbt sich mit einem Konzept, in dem Pläne für das Institut, und zwar auf den verschiedensten Gebieten wie die Lehre, die Forschung, die internationalen Kontakte und die Drittmittelprojekte, ausgeführt werden. Dann werden die eingereichten Konzepte und die Tauglichkeit der BewerberInnen in verschiedenen Gremien (Lehrstühle, Instituts- und Fakultätsrat, Senat der Universität) ausgewertet. Auf allen diesen Ebenen wirken und wählen übrigens auch die VertreterInnen der Studentenschaft mit.

Wie gefällt Ihnen diese Aufgabe?

Leitungsaufgaben erfordern einen ganzen Mann (…oder ganze Frau). Sagen wir mal so, dass mir meine neuen Beschäftigungen sicher gefallen werden, sobald sich bei mir das Gefühl gefestigt hat, dass ich zur Zufriedenheit anderer (und womöglich vieler) arbeite. Jetzt arbeite ich mich erst einmal ein und entdecke alle „Ecken und Winkel” des „Gebäudes”.

Was für Aufgaben haben Sie als Institutsleiter? Auch bisher waren Sie doch stellvertretender Institutsleiter. Haben Sie mehr Arbeit als bisher?

Und ob… Jetzt merke ich, was Prof. Dr. Árpád Bernáth und nach ihm Dr. habil. Géza Horváth als Institutsleiter alles geleistet haben. Meine E-Mail-Box füllt sich mit rasender Geschwindigkeit, so dass man die Briefe am besten sofort beantwortet, sonst werden sie innerhalb eines Tages durch andere zugeschüttet und wieder vergessen. Ich habe es mit einem Terminkalender versucht, aber die Problematik bleibt: Wenn man über alles Buch führt, bleibt keine Zeit für die Sache selbst. Und die erstreckt sich in diesem Fall vom Papierkram und von diversen amtlichen Aufgaben bis zu den Einzelgesprächen mit KollegInnen und StudentInnen.

Können Sie Ihre Aufgaben mit Kolleginnen oder Kollegen teilen?

Es war sogar ein wichtiger Bestandteil meines Konzeptes, das Institut zu „dezentralisieren”, d.h. die LehrstuhlinhaberInnen zu mehr Selbständigkeit und zu größerem eigenem Wirkungskreis kommen zu lassen. Es wäre wunderbar, wenn sich dadurch auch meine Zuständigkeiten verringerten.

Worin ist es anders als lehren?

Anders als Lehren und  Forschen. Vormals hatte ich einen recht angenehmen Tagesablauf. Vormittags und abends die Kurse vorbereiten, Vorträge und Aufsätze schreiben, wobei Letzteres besonders immer in der Nähe von Tagungs- und Abgabeterminen sozusagen Überhand nahm. Nachmittags und neuerdings an Wochenenden Unterricht. Jetzt wird diese Struktur durch Telefonate, E-Mails und Treffen mitbestimmt bis komplett durcheinandergebracht. Die Memoria ist gefragt.

Haben Sie daneben genug Freizeit?

Ich habe zu Hause zwei Freizeitkämpfer: der eine ist sechs, die andere drei Jahre jung. Die reißen mich schon weg vom großen Konkurrenten Bildschirm. Sonst spiele ich mit Freunden und Kollegen Fußball: übrigens gerade so, wie einer, der damit erst mit vierzig angefangen hat… Aber in der „Hölle des JATE-Klubs”, wie wir es früher nannten, war ich seit einer Ewigkeit nicht mehr…

Möchten Sie große Veränderungen im Lehrplan oder sonst wo durchziehen? Wenn ja, was?

Man kann heutzutage wenig am Lehrplan basteln, und wenn doch, dann bei sogenannten Akkreditierungen. Bei der Einführung der neuen Lehramtausbildung (= Osztatlan-képzés) haben wir dieses Jahr diese Chance genutzt, indem wir zugleich auch im Bologna-BA einige Reformen durchführten: eine davon war die Einführung fachkenntnisbezogener Sprachseminare. Sonst betrachte ich es als eine meiner ersten Aufgaben, über die zunehmende Aktualisierung unserer Website und die Aktivierung unserer FB-Präsenz die Kommunikation mit Studierenden und mit interessierten Gymnasiasten zu intensivieren.

Planen Sie die Studierenden der Germanistik noch mehr zu einer
Gemeinschaft zu machen?

Gerade Ihr Studienjahr begeistert mich besonders: Sie setzen sich kollektiv ganz vorne in den  Hörsaal und leisten dadurch nicht nur den studentischen Üblichkeiten, sondern gewissermaßen auch der menschlichen Biologie Widerstand. Auch haben Sie eine tolle Germanistenparty organisiert. Damit kann man sicher etwas anfangen, zum Beispiel…, dass man gemeinsam das Freie sucht und im SoSe irgendwo draußen (in der Puszta?) ein Blockseminar macht. Bis dahin gehe ich erstmal Anfang Februar mit InteressentInnen unseres binationalen Masterstudiengangs nach Kassel und Göttingen auf die Reise.

Vielen Dank für das Interview, GeMa wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!

/Tünde Pető/