Unübersetzbare Gedichte und Gustav Klimt im Kleinen

Autor: Lilla Sallay

Zeitung: 2013/1

Rubriken: Freizeit, Kultur

Unübersetzbare Gedichte und Gustav Klimt im Kleinen1Die Veranstaltungen des Lehrstuhls für Österreichische Literatur und Kultur

Das Sommersemester des Jahres 2012/13 begann und vom Lehrstuhl für Österreichische Literatur und Kultur wurden sofort zwei ganz besondere kulturelle Veranstaltungen organisiert – wie so oft hat der Lehrstuhl mit seinen Veranstaltungen eine sehr angenehme, kulturelle Sphäre geschaffen.

Der Waterhouse-Abend

Die erste Veranstaltung fand am 20. Februar um 17 Uhr im Grand Café statt. Peter Waterhouse, ein in Wien lebender Schriftsteller, Übersetzer und Dichter hielt eine Lesung und ein Gespräch. Er kam nach Szeged, weil die ungarische Übersetzung seines Buchs Krieg und Welt im vorigen Jahr erschien. Aber was muss man eigentlich über Waterhouse und über sein Buch wissen? Peter Waterhouse ist der Sohn einer österreichischen Mutter und eines britischen Vaters. Er studierte in Wien und Los Angeles. Waterhouse übersetzte viele Gedichte, die er unübersetzbar nannte. Es ist sehr spannend, dass der Verfasser auch über seine eigenen Gedichte sagte: Sie sind schwer übersetzbar. Und trotzdem wurde der Versuch gemacht, seine Gedichte für ungarische Leser und Leserinnen zugänglich zu machen.

Unübersetzbare Gedichte und Gustav Klimt im Kleinen2Der andere Teilnehmer des Abends war Ferenc Szijj, der das Buch unter dem Titel Háború és világ ins Ungarische übertrug. Waterhouse und der Übersetzer lasen einige Teile des Werkes sowohl auf Deutsch als auch auf Ungarisch vor und sprachen über das Werk und über die Entstehung des Buches. Wegen der unübersetzbar genannten Gedichte waren die Zuhörer wahrscheinlich neugierig, wie schwierig die Aufgabe der Übersetzung tatsächlich war? Leider erzählte Ferenc Szijj darüber nur wenig. Es ist auch eine interessante Frage, warum Waterhouse über seine Gedichte sagte, dass sie kaum geeignet seien, übersetzt zu werden. Die Antwort ist vielfältig, aber die Schwierigkeiten bestehen wahrscheinlich darin, dass in den Gedichten komplizierte Themen erscheinen und die in Gedichte formulierten Fragen sich auf eine andere Wirklichkeit oder auf eine andere Sinnlichkeit beziehen. Darauf weist auch die Aussage des Verfassers hin: „Wer Poesie übersetzen will, muss nicht nur Dichter, sondern auch Denker sein.” (Quelle: http://www.engeler.de)

Unübersetzbare Gedichte und Gustav Klimt im Kleinen3Am Ende der Lesung entstand ein kleiner Diskurs über die Sinnlichkeit: Ob alle Werke einen Sinn haben müssen. Trotz der spannenden Wortmeldung blieb die Frage natürlich ohne Lösung.

Peter Waterhouse: Im Garten sitzend ohne Entsprechung (Auszug)

Heute sagst du: Vereinfache dich. Auch
als Formulierung: Manche eine Vereinfachung und setze dich ein
oder hinein (man wird dann genannt: In der Vereinfachung
sitzendes ich. Oder: Dein einfacher Zustand
ist so liebenswert.) Die Zurücknahme mag lauten:
Welt, Tisch, Sessel. Warum? Und:
Warum fragen wir? Das Platznehmen auf dem Sessel
ist die liebenswerte Reduktion (sogenannte Reduktion
ohne Entsprechung). Alles geschieht ohne
Entsprechung.

Peter Waterhouse: A kertben ülve megfelelés nélkül

Ma azt mondtad: egyszerűsödj. Más
megfogalmazásban: csinálj valami egyszerűbbet
és ülj neki vagy bele (azt úgy mondjuk: az egyszerűségben
ülő én. Vagy: egyszerű állapotod
szeretetreméltó.) A visszavonás így hangozna:
virág, asztal, szék. Miért? És:
miért kérdezünk? Helyet foglalni a széken:
szeretetreméltó redukció (úgynevezett megfelelés
nélküli redukció). Minden megfelelés
nélkül történik.

Die Klimt-Ausstellung

Unübersetzbare Gedichte und Gustav Klimt im Kleinen4Im vergangenen Jahr feierte man die 150. Wiederkehr des Geburtstags von Gustav Klimt, einem der bedeutendsten österreichischen Maler und Vertreter des Wiener Jugendstils ist. Klimts beliebtestes Thema war die Darstellung der Frauen, es ist nicht zufällig, dass man Männer auf seinen Bildern kaum sehen kann.

Am 26. Februar 2013 wurde die Ausstellung „Das Leben und das Werk von Gustav Klimt“ von Professor Dr. Károly Csúri eröffnet. Er sprach über die Arbeit von Klimt, über den Jugendstil und die damit zusammenhängende Sezession. Nach der Eröffnung konnte man die Gemälde von Klimt im Kleinen mit ungarischem und deutschem Begleittext besichtigen. Danach begann die Aufführung des Films „Klimt“, der von Klimts Leben und Werk handelte und den man in deutscher Sprache sehen konnte. Das Filmdrama des Regisseurs und Drehbuchautors Raul Ruiz handelt von dem auf seinem Sterbebett liegenden Maler, der sich an sein Leben erinnert. Dadurch zeigen sich Traumbilder von dem Leben und von den Werken des Malers, so konnte man viele interessante Teilabschnitte aus Klimts Leben entdecken. Die Figur von Klimt spielte John Malkovich sehr authentisch, und der Film stellt die Frage: Wo sind die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit? Der Film regt zum Nachdenken an.

Unübersetzbare Gedichte und Gustav Klimt im Kleinen5Die Ausstellung in der Bibliothek war bis zum 14. März 2013 zu besichtigen.

/ Lilla Sallay /